what if?

/ was wäre, wenn

über

möglichkeiten
und zukünfte
im

Spec…Wer?

SpecSpace, der; auch Speculative Space

Der Speculative Space, kurz ‘SpecSpace’ ist ein Forschungsprojekt im Rahmen des Zentrum für Designforschung an der HAW Hamburg. Hier beschäftigen sich Menschen aus verschiedenen Disziplin, von Philosophie über Kunst bis Design, mit dem Thema ‘Spekulatives Design’. Sie bezeichnen ihren Raum als experimentelles Labor, in dem sie neben- und miteinander an verschiedenen Projekten forschen.

Allen Projekten liegt die Frage zu Grunde „Was wäre, wenn…?"

du hier einen Gegenstand erkennen würdest?

du den Gegenstand nutzen würdest?

du die Perspektive ändern würdest?

das, was du hier siehst, eine gesellschaftliche Hierarchie begründen würde?

Design diese Hierarchie durchbrechen könnte?

wir akzeptieren würden, dass Dinge an sich nicht sprechen können, aber viel zu sagen haben?

wir die Rolle der Dinge im Bezug auf soziale Ausgrenzung, Diskriminierung und Ungleichheit mehr hinterfragen würden?

Ein Glas?

Ein Lautsprecher?

Eine Lampe?

Ein Wasserglas?

Eine Kerze?

Ein Stiftehalter?

Designerinnen und Designer greifen massiv in unser Alltagsleben ein und beeinflussen maßgeblich, wer dazu gehört und wer nicht. Ungleichheit und Diskriminierung reproduzieren sich somit in höchstem Maß durch Design. Wie wir Dinge gestalten, hat einen unmittelbaren Einfluss darauf, was oder wen wir als ›normal‹ oder ›normabweichend‹ empfinden. Wenn solche Normvorstellungen durch Design mitkonstruiert werden, bedeutet das im Umkehrschluss jedoch auch, dass sie sich durch Design dekonstruieren, also kritisch hinterfragen und verändern lassen: Design kann also auch Gegenmodelle entwickeln.

Tom Bieling forscht im SpecSpace zu den Themen ‘Gestaltung von, für und durch Inklusion’, ‘Design, Aktivismus und Protest’ und ‘Gestaltung und Geschlecht’. Dabei geht er davon aus, dass die dingliche Welt nicht von der sozialen Welt zu trennen ist. Gestaltung hat Macht und diese Macht bringt Verantwortung mit sich.

Design verwirklicht sich durch seine Anwendung

Bist du als Nutzer:in des Gegenstandes dann nicht der/die Gestalter:in? Und welche Rückschlüsse lassen sich aus der Nutzung des Gegenstandes auf dessen Design ziehen?

du dir einen Raum vorstellen würdest?

plötzlich alle im Raum betrunken wären?

du mit Menschen diskutierst, die hinter
einem Vorhang verborgen bleiben?

sich plötzlich das Wetter ändern würde?

Menschen in Parlamenten auf Bänken
sitzen würden statt auf Stühlen?

Chaos die Welt neu ordnen würde?

Chaos nicht als Raum der Angst, der Gewalt, des Unüberwindbaren verstanden würde, sondern als Potenzial möglicher neuer Ordnungen?

Wetter, Trunkenheit und die Beweglichkeit von Gegenständen können als Variablen des Raums Chaos provozieren. Diese unberechenbaren Größen bergen das Potenzial, Machtverhältnisse neu zu polen.

Wir können Chaos einerseits als Raum der Angst, der Gewalt und des unproduktiven Gemenges verstehen. Andererseits birgt der Begriff in seiner Vielschichtigkeit Potenziale für eine Designpraxis, die über materielle und immaterielle Setzungen Unvorhersagbarkeiten provoziert. In diesem paradoxalen Spannungsverhältnis geht es um informelle und formale Strukturen (Jo Freeman), Raumkonstitutionen und (An)Ordnungen (Martina Löw), Kontingenzbejahung (Alexander Kluge) und Begegnungen der überraschenden Art (Joseph Vogl), Temporäre Autonome Zonen (Hakim Bey) und Navigation als Synthese von Intentionalität und Unvorhersehbarkeit (Patricia Reed) …

Torben Körschkes forscht im SpecSpace zum Thema Chaos und untersucht, welches Potential Chaos bietet, in Räumen überraschende Begegnungen zu ermöglichen

der Zufall bestimmen würde, was du weißt?

sich Rationalität und Magie nicht ausschließen würden?

du, während du diese Frage liest, Philosophie betreiben würdest?

du diesen Artikel für absolut sinnlos hältst?

du dich jetzt einfach nurnoch fragst:

Welche Wahrheiten stecken in

Performativität

die, Nomen; bezeichnet einen besonderen Zusammenhang zwischen Sprechen und Handeln

Philosophie ist dann performativ, wenn sie sich in Zeit und Raum ereignet und die Realität nicht nur passiv beschreibt, sondern aktiv mitkonstituiert oder verändert. Aufmerksam für die Performativität von Gedanken zu sein bedeutet sich mit den Medien, in denen sie sich verkörpern zu beschäftigen; diese in ihren besonderen Eigenschaften zu “lesen”: Stimme, Gestik, Schrift, Bild, aber auch Stimmung, Tonfall, Bildschrift, Register... all dies trägt zu einer bestimmten Botschaft bei.

Philosophie ist ein

Risiko / Wagnis

Indem wir Thesen formulieren, Spekulationen betreiben gehen wir ein bestimmtes Risiko ein. Erkenntnisgewinnung ist so immer verbunden mit einem Wagnis. Wenn du diesen Artikel bisher für absolut sinnlos hältst, hast du dann nicht doch etwas gelernt?

"Was?"

Nicht-Wissen

und die Performativität von Nicht-Wissen: Was passiert wenn dem was wir nicht wissen (können), z.B. nicht-menschliche Wesen, Tiere, aber auch Maschinen, Objekte, die Erde, Kunstwerke, Computerprogramme oder Systeme und Designobjekte ohne Korrelation zum menschlichen Bewusstseins und jenseits von menschlicher Wahrnehmbarkeit - eigene souveräne und nicht bloß passive – dem Menschen untergeordneten – Seins- und Denkformen, sowie performative Kraft zugesprochen werden?

In ihrer Forschung untersucht und entwickelt Alice Lagaay neue Formate der philosophischen Vermittlung: von der großen geprobten Bühnenperformance, über spontane Interventionen bis hin zum Schweigen oder Seinlassen, als ‘negative' Performance.

Spekulatives design beschäftigt sich mit dem potential von . Dabei werden Thesen aufgestellt (was wäre, wenn), die sich erst in der Zukunft bewahrheiten werden oder nicht. Durch das nachdenken über die möglichen Ausgänge können Rückschlüsse über den heutigen , bestehendes wissen und zukünftige abgeleitet werden.

Episte…was?

epistemisch: Adjektiv

Das Adjektiv leitet sich ab vom Nomen Epistemologie: Die Epistemologie oder Erkenntnistheorie ist ein Hauptgebiet der Philosophie, das die Fragen nach den Voraussetzungen für Erkenntnis, dem Zustandekommen von Wissen und anderer Formen von Überzeugungen umfasst. Dabei wird auch untersucht, was Gewissheit und Rechtfertigung ausmacht und welche Art von Zweifel an welcher Art von Überzeugungen objektiv bestehen kann.

Frei nach Wikipedia

Speku...wie?

Spekulation: Substantiv, [die]

Spekulation beschreibt eine auf bloßen Annahmen, Mutmaßungen beruhende Erwartung oder Behauptung, dass etwas eintrifft. In der Philosophie meint Spekulation eine hypothetische, über die erfahrbare Wirklichkeit hinausgehende Gedankenführung.

Frei nach Wikipedia

Welcher Status?

Status Quo: Substantiv, [der]

Entlehnt aus dem Lateinischen, bedeutet wörtlich übersetzt "Zustand, der" und beschreibt den gegenwärtigen Zustand. Viele Disziplin, wie die Philosophie, Soziologie, Gender-Studies, etc. hinterfragen diesen Status Quo und untersuchen dessen Entstehung, um z.B. Rückschlüsse auf gegenwärtige soziale Zusammenhänge zu ziehen.

Gestaltung warum?

Gestaltung: Substantiv, [die]

Alles um uns herum ist gestaltet, vom Türgriff bis zum Smartphone. Dabei bestimmt die Gestaltung der Dinge maßgeblich unseren Alltag und gibt uns unterbewusst vor, wie wir handeln. Andersherum beeinflussen wir jedoch auch das Design dadurch, wie wir es interpretieren. So entsteht ein Kreislauf, in dem sich Gestalter:innen und Nutzer:innen wechselseitig beeinflussen.

Was im SpecSpace sonst noch passiert kannst du nachlesen unter speclog.xyz

Viele Dank an Tom Bieling, Torben Körschkes und Alice Lagaay für die spannenden Gespräche und Bereitstellung der Texte.

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