Die neue
digitale
Eignungsprüfung
Der
Ablauf
Um einen der künst­lerischen Bachelor- und Master­studiengänge am De­part­ment Design studieren zu können müssen Be­wer­ber eine mehr­stufige Eignungs­prüfung ablegen. Je nach Studien­gang müssen hierfür zunächst eine Mappe mit höchstens 30 selbst­gefer­tigten Ar­beiten vorgelegt werden, aus denen Be­ob­ach­tungs­fähigkeit, Farb­em­pfin­den, Vor­stel­lungs­kraft und Dar­stel­lungs­ver­mö­gen er­kenn­bar sind. Um­gangs­sprach­lich wird diese Ei­gnungs­prü­fung häufig „Map­pen­prü­fung“ ge­nannt. Die einge­reichten Be­wer­bungs­portfolios werden durch eine Kommis­sion aus Pro­fes­sor*in­nen begut­achtet und bewer­tet. Im zweiten Teil der Eignungs­prüfung werden die­jenigen Be­wer­ber’in­nen mit den besten einge­reich­ten Mappen ein­geladen im Rah­men von vier Klau­suren an zwei Tagen ihre künst­lerisch, gestal­terischen Fähig­keiten auch prak­tisch unter Beweis stellen.
Die­se zwei­stuf­ige Eig­nungs­prü­fung findet nor­mal­erwei­se ganz analog statt: Hun­derte Be­wer­bungs­map­pen werden ein­ge­schickt, oder per­sön­lich vor­bei­ge­bracht. Die Mit­glieder der Prü­fungs­kommis­sion tref­fen sich im An­schluss, um die ein­ge­reich­ten Map­pen in lan­gen Sitz­ungen mit vie­len Teil­neh­mer*in­nen zu sich­ten und auch die prak­ti­schen Prü­fungen im zwei­ten Teil werden nor­mal­er­weise am De­sign Cam­pus des De­part­ments durch­ge­führt, wozu sich dann hun­derte Be­wer­ber ganz tra­ditio­nell für zwei Tage treffen und eng ge­drängt zu malen, zei­chnen, skiz­zieren und schrei­ben. Viele Rei­sen zu diesen Prü­fungen aus unter­schied­lichen Tei­len Deutsch­lands und Euro­pas an. Doch im Jahr 2020 sollte alles ganz anders kommen.
Am An­fang der Pan­demie – im Mai und Juni 2020 stand die erste Ei­gnungs­prü­fung für die Ma­ster­stu­dien­gän­ge an. Rasch war klar, daß unter den Be­ding­ung­en von co­ro­na­be­ding­ten Kon­takt­beschrän­kung­en eine nor­male Durch­führ­ung nicht mö­glich sein konnte. Rasch und im­pro­vi­siert wurden Be­werbungs­port­foli­os durch stu­den­tische Hilfs­kräfte digi­ta­lisiert und die Be­gut­acht­ungen unter den Prü­fer*in­nen und die Ge­sprä­che mit den Be­wer­ber*in­nen in Zoom-Calls or­gan­isiert. Am En­de klap­pte alles – vor al­lem auch weil die An­zahl der Be­wer­ber­bungen auf Ma­ster­stu­dien­gänge tra­ditio­nell viel gerin­ger ist, als bei den Ba­chelor­stu­dien­gängen. Es war klar, daß für die im Spät­som­mer an­stehen­de Bach­elor-­Eig­nungs­prüf­ung ein di­gital­es Kon­zept her mus­st, das die viel hö­heren Be­wer­ber­zah­len hän­deln konn­te und die gro­ßen Daten­mengen be­wäl­ti­gen kann.
Spä­tes­tens ab März 2020 hatte die Co­ro­na-Pan­demie den All­tag in Deu­tsch­land und der Welt voll in ihrem Griff. Das hatte na­tür­lich auch Kon­se­quen­zen für den Stu­dien­all­tag an der HAW – und eben das Be­wer­bungs­ver­fah­ren. Der Cam­pus war nun weit­gehend ge­schlos­sen, alle be­fan­den sich im Home Office, über­all her­rsch­te Ab­stands­ge­bot. Wie sol­lte da nun noch die klas­si­sche Map­pen­prü­fung statt­fin­den und die üb­lichen Klau­su­ren durch­ge­führt wer­den? Den­noch blieb das Ziel: Auch zum Win­ter­se­mes­ter soll­ten neue Stu­den­ten zu­ge­las­sen wer­den. Klar war darum zu­nächst nur eines: Auf dem ge­wohn­ten Wege wür­de diese Prü­fung nicht statt­fin­den könn­en. Aber wie? Wie sollte eine di­gi­tale Be­wer­bung­smap­pe be­schaf­fen sein? Mit wel­chen Daten­men­gen hat­te man zu rech­nen? Wie konn­te sicher­ge­stellt wer­den, daß alle recht­li­chen und for­ma­len An­for­de­run­gen be­rück­sich­tigt wer­den?
Aus dem De­part­ment wur­de ein Pro­jekt­team um Peter Kabel und Pa­trick Surd­ziel ge­bil­det, das sich in rasch ge­tack­te­ten MS Team-Calls eng mit Fa­kul­täts­ver­wal­tung, Rechts­ab­tei­lung, De­kanat, De­part­ments­lei­tung und Mit­glie­dern der Prü­fungs­aus­schüs­se ab­stimm­te. Das Team ent­wickel­te in Tag- und Nacht­sitz­ung­en eine Idee, wie al­le Ele­men­te der Ei­gnungs­prüf­ung di­gi­tal um­setz­bar sein könn­ten und wie diese Re­vo­lution in­ner­halb der we­nigen ver­bleiben­den Wo­chen bis zum Be­ginn der fest­ge­setz­ten Ab­gabe­frist zu schaf­fen sein konn­te.
Die kon­zep­tionel­le He­raus­for­der­ung war be­acht­lich. Allei­ne die kal­ku­lier­ten Da­ten­men­gen wa­ren Res­pekt ein­flöß­end. Das Sys­tem muss­te ver­schi­eden­ste Vor­aus­set­zun­gen stand­hal­ten, bei­spiels­wei­se der unter­schied­lichen Qua­li­tät der In­ternet­ver­bin­dung, der Lei­stungs­fähig­keit des Com­put­ers so­wie den ver­schie­den­en tech­ni­schen Kenn­tnis­se der Be­nutz­er. Das ganze mus­ste Rechts­sich­er und gegen Aus­fälle ab­ge­sich­ert sein, da eine Be­wer­bung auch ein ver­wal­tungs­recht­licher Akt ist und ent­spre­chen­den An­for­der­ung­en genü­ge lei­sten muss. Es wur­den In­for­ma­tions-, Hin­weis- und An­lei­tungs­teste pro­du­ziert, die au der Web­site des De­part­ments pub­li­ziert wur­den, um die po­ten­ziel­len Be­wer­ber über je­den Schritt des neuen Ver­fah­rens zu in­for­mie­ren.
Zu­sam­men mit IT-Mit­ar­bei­tern der HAW, dem Ko­De-Ma­ster­stu­dieren­den Tom-Lucas Sä­ger und der tat­kräf­ti­gen Pro­gram­mier­er-Team „Vier­beu­ter“ wur­de ein ein­zig­arti­ges Por­tal er­schaf­fen, über das die Be­wer­ben­den so­wohl ihre An­mel­dung vor­neh­men, ihre Map­pe hoch­la­den und an der Prü­fung teil­neh­men könn­en. Ei­ner­seits muss al­les mö­glichst selbst­er­klär­end für Nu­tzer sein. Mei­stens sind Be­wer­ber*in­nen nicht nur un­erfah­ren, son­dern auch auf­ge­regt und eine zwei­te Chan­ce sich un­ter glei­chen Be­ding­ung­en ein­zu­rei­chen gibt es eben nicht. Gleich­zei­tig gab es ho­he An­for­der­un­gen im Be­zug auf tech­ni­sche Les­bar­keit der Da­ten, Vi­ren- und Da­ten­schutz und na­tür­lich Schnel­lig­keit. Tau­sen­de Da­teien müs­sen mit ei­ner ho­hen tech­ni­schen Per­fek­tion in Em­pfang gen­om­men, ge­prüft, um­be­nannt, ver­wal­tet und ge­la­gert wer­den. Und na­tür­lich muss­te für die Be­wer­ber al­les ein­deu­tig be­schrie­ben wer­den. Vom Tag der Ent­schei­dung bis zum Be­ginn der Be­wer­bungs­phase wa­ren es ca. 8 Wo­chen, in de­nen al­les ste­hen muss­te. Alle im Team waren an­ge­span­nt, denn auch für die An­wen­dung gab es, das war al­len klar, kei­ne zwei­te Chan­ce.
Die Akteure
Prüfungsausschuss

Der Prü­fungs­aus­schuss be­steht aus ver­schie­de­nen Kom­mis­sio­nen mit je­weils drei bis vier Pro­fes­so­ren für je­den Stu­dien­gang. Sie le­gen die Auf­ga­ben­stel­lung­en für die Auf­nah­me­prüf­ung fest und be­no­ten sie im An­schluss. In diesem Se­mes­ter fand die Be­gut­ach­tung on­line statt.
Fakultätsservicebüro

Wo frü­her noch hän­disch Da­ten er­fasst, Map­pen an­ge­nom­men und mo­na­te­lang ge­la­gert wur­den, ist man nun froh über die Di­gi­ta­li­sier­ung. Das Prü­fungs­amt küm­mert sich vor­wie­gend um die vor­be­rei­ten­den Maß­nah­men, in­dem es sich um die ein­ge­hen­den An­trä­ge küm­mert. Eben­so wie um die Zeit­pla­nung, die Or­gan­isa­tion und den Ab­lauf.
Idee & Entwicklung

Für den zwei­ten Teil der Auf­nah­me­prüf­ung muss­te in al­ler Kür­ze ein Be­wer­ber­por­tal auf­ge­baut wer­den, die in Zu­sam­men­ar­beit mit ei­ner Soft­ware­fir­ma pro­gram­miert wur­de. Über die­ses Por­tal er­folgt die An­mel­dung, eben­so wie die Auf­ga­ben­aus­gabe am Prü­fungs­tag. Au­ßer­dem er­fol­gen hier die Be­kannt­ga­ben über Be­ste­hen und Nicht-Be­ste­hen der ein­zel­nen Prü­fun­gen.
Kernteam

Das Kern­pro­jekt­team be­stand aus dem wis­sen­schaft­lich­en Mit­ar­bei­ter des De­part­ments Pa­trick Surd­ziel und Prof. Pe­ter Ka­bel.
Die Reaktionen
„Einmal eingereicht, geht das Verfahren beim Nächsten Mal wahrscheinlich schneller. Große Mappenmengen und Gewichte müssen nicht mehr bewegt werden, alle Professor:innen können zu jeder Zeit teilnehmen, es gibt kein Raumproblem, der nachfolgende Zugriff auf das Bildmaterial ist leichter […]“

Meinung eines Prüfenden
„Kein Vergleich zu anderen Bewerberportalen! Echt top! Hier und da Kleinigkeiten, die auf alle Fälle schnell zu beheben sein werden.[…]“

Meinung eines Teilnehmenden
“Positiv finde ich, dass man sich sein absolutes Wohlfühlklima vorbereiten kann: so wie man am besten arbeiten kann”

Meinung eines Teilnehmenden
Was bleibt?
Insgesamt steht fest: Die digitale Aufnahmeprüfung hat die Feuertaufe bestanden, und sich in vielerlei Hinsicht n nicht nur als Notlösung in der Pandemie, sondern auch als eine gute Entwicklung darüber hinaus erwiesen. Die Vorteile überwiegen deutlich. So wurden mehr als 800 Portfolios zum ersten Teil der Eignungsprüfung eingereicht – die höchste Anzahl überhaupt seit Einführung des Bewerberportals! Die Prüfung der Dateien lief dabei sogar deutlich schneller als erwartet. Die Mitglieder der Bewertungskommissionen bestätigten, dass die Begutachtungssitzungen online eine andere Konzentration ermöglichen, die den Mangel vielleicht sogar ausgleichen kann, der dadurch entsteht die haptische Qualität der eingereichten Arbeiten digital nicht gut nachvollziehen zu können.

Auch die Bewerber*innen hatten durch das digitale Verfahren neue Möglichkeiten. Anders als eine analoge Mappe, kann eine digitale Mappe mehrfach verwendet werden, wodurch sich Bewerber*innen leichter an mehreren Hochschulen gleichzeitig bewerben können. So kamen die Bewerber aus den verschiedensten Teilen Deutschlands und sogar aus insgesamt 33 Ländern der Welt. Auch im Bezug auf die bislang in Präsenz durchgeführten Eignungsprüfungen des zweiten Teil ergaben sich für Bewerber*innen handfeste Vorteile: Die Teilnehmenden mussten nicht mehr nach Hamburg fahren, um die Prüfung vor Ort ablegen zu können und konnten – wie ein Teilnehmer ja auch anmerkte – sich ihr Setting ganz nach eigener Vorliebe für die Prüfung einrichten.
Bekanntlich kann niemand die Zunft vorhersagen. Das gilt in Pandemiezeiten um so mehr. Zum Zeitpunkt dieses Berichts arbeitet das Team an der Digitalen Eignungsprüfung 2.0. Gegenüber der ersten Version werden die Eignungsprüfungen noch einmal in ungefähr 100 größeren und kleineren Details verbessert. Auf jeden Fall werden die Prüfungen im Jahr 2021 erneut digital durchgeführt. So sehr sich alle wünschen, dass spätestens im Jahr 2022 alles wieder normal ist, wird sich zeigen, was das neue Normal im Bezug auf die Eignungsprüfungen des Departments Design sein wird.