How I hacked Department Design to create a better Kurseinschreibemethode

(and how you can do it, too!)


Los geht's!

Die Einschreibewoche am Department Design ist immer turbulent – die Motivation fürs neue Semester ist groß, überall sieht man altbekannte und neue Gesichter, und volle Flure und Räume füllen alles mit Aufregung und Energie.

Zunächst bremst jedoch ein Stresskoloss die gute Laune aus:
die Kurseinschreibungen. Von Raum zu Raum laufen, sich um Kursplätze drängeln, um Kunstkurse zittern, das macht mittelviel Spaß. Im Gespräch mit anderen Studierenden haben wir festgestellt, das es uns als Digitalcampus doch eigentlich möglich sein sollte, das besser hinzukriegen: eine gemeinsame Methode statt fünfzehn verschiedenen Listen, Zetteln und Einschreibemethoden.

Hier möchte ich meinen persönlichen Vorstoß in die manchmal etwas bürokratischen und strukturellen Wirren der Hochschulverwaltung dokumentieren, um zu schauen, wie weit man mit einer fixen Idee kommt!


Zeit, loszulegen!

Bisher liefen die Einschreibungen am Department Design immer recht turbulent ab; die erste Semesterwoche war für Kursvorstellungen vorbehalten und Dozent*innen stellten die Woche über ihre Kurse vor.
Bis zu 50 Studierende drängten sich in die Räume, und wenn gegen Ende die Einschreibelisten ausgeteilt wurden, gab es großes Gedränge – oder es gibt eine Aufgabe, und das ganze geht nächste Woche weiter, wenn ausgesiebt wurde.


Auch in den Kunstkursen ist es ähnlich – eine große Versuchung, lieber einen Kurs zu viel mitzunehmen, um mindestens einen Platz sicher zu haben, wenn der Lieblingskurs am Freitag zu voll sein sollte.

Methoden
Liste nach Vorstellung

Nach der Kursvorstellung wird eine Papierliste herumgereicht.
Meistens, wenn nicht zu viele Leute bei der Vorstellung sind, ansonsten gibt's noch eine Aufgabe oder mehr.

Einschreibeaufgabe

Der/die Dozent*in stellt eine kleine Einschreibeaufgabe – ein erstes Miniprojekt, eine Zeichnung, je nachdem, was das Kursthema bietet. Wer sie abgibt, bleibt dabei.

Losen

12 Kursplätze, 12 Gewinnerlose. Der Rest sucht weiter!

Aufrutschlisten

Du hast dich letztes Semester schon auf die Liste setzen lassen, weil du damals nicht mehr in den Kurs kamst? Dieses Semester bist du dabei! Oder steht jemand kurz vorm Bachelor und braucht den Kurs dringend? Du dann auch noch!

Rankingliste

Erst die Leute im Bachelor, dann die Leute kurz vorm Bachelor, dann die Leute, die schonmal beim Prof waren, dann die anderen ...

what broke it

Bisher lief es immer ganz okay, ein bisschen Chaos bringt ja auch Leben ins Studium.
Dann, Corona: und damit einhergehend die strenge Einhaltung von Personenlimits und Kursbegrenzungen.

Ich bekam mit, dass viele Mitstudierende plötzlich große Schwierigkeiten hatten, in ihre Kunstkurse reinzukommen; wo vorher immer noch mehr Leute aufgenommen wurden, bis die Räume und Staffeleien belegt waren, war jetzt kein Spielraum mehr, und das zeigte sich direkt.

Letztendlich klappte es – vieles wurde mit Nachfragen und Teams-Gesprächen geregelt, und momentan ist ja sowieso vieles im Umbruch, da passt das alles gut ins Konzept.
Gleichzeitig ist es natürlich die perfekte Möglichkeit, einmal genauer auf die bisherigen Methoden zu schauen – wenn sowieso alles umgestellt werden muss, dann kann man ja mal tiefer eingreifen!

wer kann helfen?

Die Suche nach Alternativkonzepten beginnt. Aus Gesprächen mit Modestudent*innen weiß ich, wie die Einschreibung dort verläuft: in der ersten Semesterwoche werden alle Designkurse an einem gemeinsamen Termin vorgestellt, hinterher gibt es eine zentrale Einschreibung.

können wir das übernehmen?

In diesem Semester verlief die Einschreibung für Modedesign digital. Um Details herauszufinden, nahm ich Kontakt mit Susanne Ulrich auf, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin für MoKoTex die Organisation für die Einschreibung betreut.

Das Gespräch gab mir einen ersten Einblick, was davon für uns funktionieren könnte – und was auch nicht.

Einschreibung Modedesign
Vorstellungstag
Markthallenprinzip

Die Laborkurse werden per "Markthallenprinzip" verteilt:
Alle Studierende versammeln sich am Ende der Woche nach den einzelnen Vorstellungen in der Aula. Jeder Student stellt sich an den "Kurs-Stand", den er dieses Semester belegen möchte. So sieht man die Kursbelegung auf einen Blick, und Ungleichheiten werden zwischen Studierenden und Profs direkt ausgehandelt, sodass jeder einen Kursplatz bekommt.

digitale Einschreibeliste

Die digitale Einschreibung dieses Jahr wurde über eine Doodle-Liste durchgeführt.
Jeder Studierende konnte einen Erst- und Zweitwunsch angeben, sodass einer davon auf jeden Fall erfüllt werden kann.

wer will das so?

Meine Ideen sollten jetzt auch mal in Kontakt mit der Welt kommen –
am besten mit Leuten, die an der Hochschule auch Entscheidungen treffen.

Für den KoDe-Bereich ist das Stefan Stefanescu, Design-Professor KoDe und Mitglied im Studienreformausschuss (Veränderungen an der Studienform und zB auch der Einschreibemethode sind hier an der richtigen Stelle).

Gespräch mit Stefan Stefanescu

Mit diesem Gespräch würde es nun an die erste Umsetzung gehen.

was wurde besprochen?

Ich erzählte Stefan von meinem Projekt und den bisherigen Ansätzen, die ich verfolgt habe, und wie ich meine Ideen eventuell auch in die Tat umsetzen könnte.
Ich bin ja nicht der Erste, der sich Gedanken um die Einschreibungen macht, und derarte Dinge sind sicherlich auch schonmal im Reformausschuss besprochen worden – auch dazu konnte Stefan mir erläutern, was bisher passiert und weiter geplant ist.

was hält er davon?

Mein Vorstoß wurde erstmal positiv aufgenommen, ich bin hier in einen schon laufenden Prozess hineingestolpert und kann mich da mit involvieren.
Die Idee, die Einschreibungen zu vereinheitlichen, ist jedoch nicht so leicht durchzuführen wie vielleicht anfänglich gedacht – unter den Lehrenden gibt es unterschiedliche Prinzipien, wonach Kurse zusammengestellt werden, und ein zu strenges, einheitliches Konzept ist auch unpassend für den Studienaufbau, in dem wir als Studierende ja vollkommen frei zwischen Kursen wählen können; da muss dann mehr sortiert werden als in anderen, ‘festen’ Modulplänen.

Der Grundgedanke sollte also weiterhin sein, sich das Studium so frei gestalten zu können wie möglich, und auch die Möglichkeit zu haben, mehr als das Mindestmaß an Kursen zu belegen, um nicht nur so effizient wie möglich durchs Studium geschleust zu werden.

wie geht es weiter?

Ich schlug vor, eine Art Umfrage unter den Lehrenden im Bereich KoDe und Kunst durchzuführen, um dort einen Gesamtüberblick über die bisherigen Einschreibemethoden zu erhalten und nach Gemeinsamkeiten zu suchen, auf denen man aufbauen kann.
In nächster Runde würde dann ein darauf basierender Vorschlag entwickelt.

next steps
Zeit, Infos einzuholen!

Stefan hat meinen Vorstoß begrüßt und ich habe erfahren, dass ich in einen bereits laufenden Prozess hineingestolpert bin, und so habe ich mein weiteres Vorgehen mit ihm abgestimmt.
Als nächster Schritt war für mich also die Befragung der Dozenten und Lehrenden dran – im Bereich KoDe und Kunst.
Kontaktdaten gibt es im Vorlesungsverzeichnis, ich schrieb eine Mailvorlage und schickte diese los, mit der Bitte um eine kurze Rückmeldung.

Antworten

Die ersten Rückmeldungen kamen sehr schnell, und waren durchgängig positiv!
Alle Angesprochenen waren dem Vorhaben gegenüber aufgeschlossen und freuten sich über die Initiative von studentischer Seite.
In Telefongesprächen und per Mail oder Teamscall konnte ich mir einen umfassenderen Eindruck über die Erfahrungen von Lehrendenseite her bekommen, und auch eigene Erfahrungen aus dem studentischen Umfeld berichten.
Die Zusammenfassung dieser Gespräche ergab folgende Punkte:

mehr Transparenz!

Oft ist es sowohl als Student schwer, sich Klarheit über die Einschreibung zu verschaffen und zu schauen, wohin ich mich bei Fragen wende, und bei Lehrenden genauso –
wenn der eigene Kurs voll ist, kann teilweise nur an “den Rest der Kurse” verwiesen werden, eine zentrale Sammlung von Kursbelegung und noch freien Plätzen gibt es in dieser Form nicht.
Hier könnte man ansetzen!

keine Monokulturen

Ein generell übergreifendes System ist vielen Lehrenden zu einengend.
Das Studium wird als Ort des Experiments und zum Herumprobieren verstanden, und dieser Charakter sollte nicht durch zu strenge Richtlinien eingeschränkt werden.

Fairness

Gleichzeitig ist das Bedürfnis vorhanden, die Plätze nach fairen Prinzipien zu vergeben:
Jede/r Studierende sollte eine Möglichkeit haben, in alle Kurse hineinzukommen, unter Beachtung von Rahmenbedingungen –
wer zB kurz vorm Abschluss noch einen Kurs braucht, sollte hier etwas vorangestellt werden, um durch einen einzigen Kurs nicht ein Semester länger studieren zu müssen.
Derartige Prinzipien sollten gemeinsam erarbeitet und klar kommuniziert werden.

???

Eine umfassende Lösung, die alle Probleme löst und alle Interessen befriedigt, ergab sich in Gesprächen und Rückmeldungen nicht –
hier und da äußerten sich gegenläufige Meinungen, und mir war klar, dass diese Diskussion noch nicht zu Ende ist, und zum Beispiel in der Fachgruppe Kunst auch gerade wieder ins Rollen gebracht wird.

was machen wir daraus?
Die Gespräche ergaben, dass der Prozess rund um eine neue Einschreibemethode schon seit einiger Zeit im Gespräch ist.
Auch bei einer der regelmäßigen Fachgruppensitzungen der Dozenten im Bereich KoDe soll es wieder zur Sprache kommen – Stefan Stefanescu lud mich ein, am 27. Januar mit meinen Vorschlägen vorbeizuschauen, und von meinem bisherigen Vorgehen dabei zu berichten.
Fachgruppensitzung Design
In einem kurzen Vortrag präsentierte ich meine Sicht und die Rückmeldungen auf meine Anfragen, danach schildert Stefan seine Vorschläge.
In der anschließenden Diskussion wurde auf die Erfahrungen von studentischer Seite und Lehrenden eingegangen und gemeinsam ein Vorschlag formuliert, der anschließend noch weiter ausgeformt werden soll.
Zum einen wurde festgestellt, dass die Koordination zwischen einzelnen Dozenten bezüglich Kursbelegungen besser gestaltet werden könnte, und der Einschreibeprozess auch transparenter und verständlicher gestaltet werden kann;
gerade in der momentanen Lage, wo die Möglichkeit, spontane Fragen an Lehre zu stellen und sich vor Ort zu informieren, nicht wirklich gegeben ist.
Zum anderen sollen Leitlinien erarbeitet werden, nach denen die Kurse zusammengestellt werden – also wie Teilnehmer*innen ausgewählt werden, wonach gewichtet wird, und was für Chancen es gibt.
Dies soll transparent kommuniziert werden, um gerechte Bedingungen zu schaffen.
Ergebnisse

Im Nachgang an dieses Gespräch habe ich von Stefan die Nachricht erhalten, dass die neuen Regelungen für die Designkurse im Bereich KoDe noch etwas präzisiert und ausformuliert wurden,
und nun auf der HAW-Website veröffentlicht sind (in der Fassung zu Anfang des Sommersemesters 2021).

fester Einschreibeschluss

Durch den*die Dozent*in wird von der normalen Kursvorstellung aus ein Einschreibeschluss festgelegt, spätestens bis zum Ende der Woche.
Ein gemeinsamer Einschreibeschluss hat sich in der Diskussion nicht ergeben; für Einschreibemethoden wie kleine Aufgaben/etc war es den Dozent*innen wichtig, die Bearbeitungsdauer festzulegen, sodass diese in einem ähnlichen zeitlichen Rahmen bearbeitet werden, egal ob der Kurs am Montag oder am Freitag, kurz vor Einschreibeschluss, liegt.

Vergabe nach fairen Prinzipien

Die Einschreibemethode sollte so klar wie möglich kommuniziert werden, und die Auswahlprinzipien offengelegt.
Es wurden allgemeingültige Leitlinien formuliert, nach denen entschieden werden soll.

zentrale Anlaufstellen

Um die einzelnen Kursbelegungen besser zu vergleichen und auch für Studierende eine zentrale Anlaufstelle zu bieten, wird ein Termin der Studienfachberatung eingerichtet, der im Anschluss an die Einschreibung vermitteln soll.
Mit einer zentralen Liste, in der die Kursbelegungen von den Dozent*innen eingetragen und gesammelt werden, können Leerplätze schneller vermittelt werden.

fertig?
Ob das jetzt so die Ideallösung ist, wird sich wahrscheinlich recht schnell zeigen – bei der nächsten Einschreibung.
Von den ersten Ideen bis zur Umsetzung ist in meiner Wahrnehmung einiges passiert, ich habe mich an vielen Stellen umgehört und einen tieferen Eindruck in die Unistrukturen erhalten als je zuvor.
Was mich dabei am meisten überrascht hat – ohne dass ich vorher Erwartungen in irgendeine Richtung hatte – war die positive Rückmeldung, die ich von vielen Seiten erhalten habe, so als würde man offene Türen einrennen!
Das hat mich absolut bestärkt, beim nächsten Mal einfach mal spontan anzufragen, wenn ich irgendwas zu fragen oder anzumerken oder vorzuschlagen habe – fremde Personen anzurufen ist beim ersten Mal immer etwas suspekt, aber in diesem Kontext habe ich nur gute Erfahrungen gemacht, die Hemmschwelle hat sich auf jeden Fall gesenkt!
Gleichzeitig ist es auch immer wieder sichtbar, dass wir eine Menge unterschiedlicher Meinungen und Ansprüche vereinen.
Was für uns als Studierende vielleicht ideal wäre, ist für Lehrende wieder umständlich oder schlecht machbar (niemand möchte am Wochenende gern arbeiten, Arbeitsschutzgesetze für Lehrbeauftragte, ...), und das wird natürlich in gesunden Diskussion auch verhandelt.
fertig?
Insgesamt finde ich von studentischer Sicht gut, dass klarer ist, wann man mit der Rückmeldung zum Kursplatz rechnen kann, und auch eine konkrete Anlaufstelle bekommt.
Persönlich sehe ich immer noch etwas Druck, sich bei der ersten Vorstellung schon für Kurslisten einschreiben zu können, aber die Argumente dafür, dass durch die Präsenz einfach auch Interesse am jeweiligen Kurs gezeigt wird und auch der/die Dozent*in einen Überblick über Belegung und Andrang hat, sind legitim.
Derartige Prozesse sind ja immer ein Abwägen verschiedener Interessen und Ansichten, und leben einfach durch die aktive Beteiligung aller, die davon betroffen sind.
Was mir persönlich da als Erfahrungswert bleibt, ist die Tatsache, dass man mit einer dusseligen Email an der richtigen Stelle oder einem spontanen Teamscall schon einiges ins Rollen bringen kann – nach der ersten Idee fehlt gar nicht viel, um sie direkt umzusetzen, und Professor*innen sind schlussendlich auch nur Menschen...
// Text & Gestaltung: Frederik Engelbrecht

Besonderen Dank an:
Susanne Ulrich
Stefan Stefanescu
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